Sudbury Schulen – Kapitel 24: Finanzierung der Schule

lizensiert unter Creative Commons BY-NC-ND 2.0
Die DVD „Sudbury-Schulen – Interviews mit Schülern, Mitarbeitern, Eltern und Absolventen“ von Henning Graner und Martin Wilke ist im tologo verlag erhältlich.

Henning Graner: Wie finanziert sich die Schule? Nur durch Schulgeld oder auch durch staatliche Gelder?

Mikel Matisoo: Die Sudbury Valley School wird ausschließlich durch Schulgeld finanziert.

Aaron Winborn: Greenwood ist eine Privatschule und wird durch Schulgeld finanziert. Dadurch lässt der Staat uns in Ruhe.

Martin Wilke: Wie wird Eure Schule finanziert?

Kelly Sappir: Nur durch Elternbeiträge und Spenden. Wie gesagt, wir erhalten keinerlei staatliche Unterstützung.

Martin: Wo bekommt Ihr Euer Geld her?

Romey Pittman: Schulgeld. Wir finanzieren uns durch Schulgeld. Sudbury Valley legt Wert darauf, sich ausschließlich durch Schulgeld zu finanzieren, weil sie völlige Autonomie haben wollen. Sie wollen nur gegenüber den Familien an der Schule rechenschaftspflichtig sein, und nicht gegenüber einer Förderer-Organisation oder gegenüber dem Staat. Wir haben es ein bisschen anders gehalten. Als wir unsere Schulgebäude gebaut haben, haben wir dafür auch Geld eingeworben. Aber für die laufenden Kosten, für den ständigen Betrieb, verwenden wir nur Schulgeld.

Aaron Winborn: 100 Prozent unseres Geldes stammt aus privaten Schulgeldzahlungen. Unser Schulgeld beträgt allerdings nur die Hälfte der nächstteureren Schule in der Gegend. Wir sind also sehr preiswert.

Romey: Unser Schulgeld beträgt etwa 6.000 Dollar im Jahr. Das ist mehr als bei einigen der anderen Sudbury-Schulen. Aber unsere School Assembly hat dafür gestimmt, das Schulgeld anzuheben, damit unsere Mitarbeiter einen Lohn bekommen, von dem man eine Familie unterhalten kann.

Gayle Friedman: Und wenn man es ins Verhältnis zu den anderen Privatschulen in der Gegend setzt, kosten nur die kirchlichen Schulen weniger als wir. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Eltern hier 15.000 bis 22.000 Dollar im Jahr für eine Privatschule bezahlen. Wir sind also sehr günstig zu haben.

Aaron Winborn: Und wir halten das Schulgeld absichtlich so niedrig wie möglich, damit die Schule möglichst allen offensteht. Wir wollen nicht, dass sie nur für die Oberklasse oder obere Mittelklasse da ist. Wir wollen sicherstellen, dass sie auch Arbeiterfamilien offensteht.

Evelyn Hardesty: Viele Sudbury-Schulen nehmen als Grundlage für das Schulgeld, was es kosten würde, den Besuch einer staatlichen Schulen privat zu bezahlen, also die Kosten pro Kind. Unsere Schule kostet 3.500 Dollar im Jahr, was eigentlich ziemlich preiswert ist – etwa die Hälfte dessen, was die Privatschulen in der Gegend nehmen. Einer der Gründe, warum ich diese Schule ausgesucht habe, ist, dass wir sie uns leisten konnten. Und dann habe ich es mal nachgerechnet: Diese Schulen sind von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Die staatlichen Schulen mögen zwar kostenlos sein, aber die Betreuung am Nachmittag stellen sie extra in Rechnung. Wenn man sich die Höhe unseres Schulgeldes anguckt, merkt man, dass es nicht so viel mehr ist, als wenn ich sie bis 17 Uhr in einer Nachmittagsbetreuung hätte.

Shetal Dandage: Multimillionäre und Alleinerziehende, die nur den Mindestlohn verdienen, sollten gleichermaßen die Schule besuchen können.

Kelly: Es gibt einige sehr, sehr arme Familien in unserer Schule. Und wenn sie sich das Schulgeld nicht leisten können, versuchen wir, ihnen so weit wie möglich ein Stipendium zu geben. Einige Familien, die mehr als einen Schüler haben, haben ein oder zwei komplette Stipendien. Wir wollen die Schüler, und wir hoffen, dass es kein Problem ist. Einige Leute in Israel machen uns das zum Vorwurf, aber wir halten das nicht für gerechtfertigt.

Romey und Gayle: Wir wollen wirklich eine Schule haben, die so gemischt wie möglich ist. Das ist einer unserer großen Kämpfe.

Henning: Wenn jemand es sich nicht leisten kann, sein Kind auf die Sudbury Valley School zu schicken, gibt es dann irgendeine Möglichkeit, dass es doch auf die Schule gehen kann? Gibt es soetwas wie Stipendien?

Mikel: Wir haben etwas, das sich „Schulgeld-Notfall-Darlehens-Fonds“ nennt. Er wurde vor 7 oder 8 Jahren eingerichtet und soll Schülern, die die Schule bereits besuchen, den weiteren Besuch ermöglichen, wenn ihre Familie in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Sie bekommen dann aus dem Fonds ein Darlehen für das Schulgeld, das die Eltern erst einige Jahre nach Ende des Schulzeit zurückzahlen müssen. Aber das ist alles, was wir an finanzieller Unterstützung zu bieten haben.

Shetal: Ich finde nicht, dass die Eltern für die Art der Bildung bezahlen sollten. Das heißt, entweder man schaut sich nach Geldgebern um. Oder man staffelt das Schulgeld nach dem Einkommen, was ich befürworte. Eltern, die es sich leisten können, sind angehalten zu bezahlen. Und für Eltern, die es sich nicht leisten können, ist die Tür zur Schule nicht geschlossen. Die Tür zur Schule sollte offen sein.

Gayle: Wir tun alles uns Mögliche, um Familien, die an die Schule kommen wollen, dabei zu helfen. Wenn sie sagen, dass Geld das Problem ist, können wir einige finanzielle Unterstützung bereitstellen. Wir haben ein ermäßigtes Schulgeld für Leute, die hier in den staatlichen Schulen Anspruch auf kostenlose Schulspeisung hätten.

Shetal: Ich versuche, diese Schule dazu zu bekommen, das Schulgeld nach Einkommen zu staffeln. Aber das ist schwierig, es ist ein langer Weg. In fünf Jahren sind wir vielleicht in der Lage, das Schulgeld zu staffeln, so dass jeder kommen kann.

Mikel: Wir haben soetwas nicht. Das Problem besteht für uns darin, die finanziellen Mittel der Familien zu bestimmen. Diesem Problem haben wir uns nie wirklich annehmen wollen. Nur so zum Beispiel: Eine Familie hat vielleicht ein großes Einkommen, aber auch große Ausgaben, die sich schwer ermessen lassen. Sie haben vielleicht einen kranken Verwandten, den sie pflegen. Es gibt viele nicht greifbare Umstände, die sich auf die Finanzen einer Familie auswirken, und auf ihre Fähigkeit, irgendetwas konkretes bezahlen zu können. Eine Familie kommt vielleicht mit einem einzigen sehr alten Auto aus und verfügt deshalb über eine bestimmte Menge Geld. Eine andere Familie hingegen entscheidet, dass sie neue Autos braucht und sagt deshalb: „Uns fehlt das Geld, unsere Kinder auf diese Schule zu schicken.“

Evelyn: Das ist einer der Gründe, warum diese Schule nicht stärker wächst als sie es tut. Ich glaube, ein großer Teil der Leute, für die wir da sein könnten, ist vielleicht etwas unzufrieden in den staatlichen Schulen, aber wenn sie sehen, dass es Geld kostet, scheint es ihnen die Sache nicht wert zu sein.

Mikel: Im Laufe der Jahre haben wir gesehen, wie Familien, die wirklich wollen, dass ihre Kinder auf Sudbury Valley gehen, Wege gefunden haben, die Opfer zu bringen, die nötig sind, um das Schulgeld zu bezahlen. Mir fällt es schwer, einerseits diese Opferbereitschaft zu würdigen und andererseits jemand anderen zu subventionieren. Es ist eine schwierige Frage, aber unser Ansatz ist immer gewesen, alles zu tun, um das Schuldgeld niedrig zu halten und jeden den gleichen Betrag zahlen zu lassen.

Evelyn: Es ist nicht so sehr, dass Leute es sich nicht leisten können, aber sie würden sich nicht dafür entscheiden, es sei denn, sie leiden.

Mikel: Einer der Faktoren, die wir bei unserer Diskussion über das Schulgeld berücksichtigt haben ist: Wieviel Geld kann ein 16-jähriger realistischerweise in einem Jahr mit einem Teilzeitjob verdienen, wenn es ihm wichtig ist, auf unsere Schule zu gehen?

Michael Sappir: Es stimmt, dass einige Familien ihr Kind einfach nicht herschicken könnten, weil sie sich überhaupt keinerlei Schulgeld leisten können. Und es ist sehr schwer, das Schulgeld völlig erlassen zu bekommen. Das einzige Mal, dass ein Schüler, der der einzige aus dieser Familie war, das ganze Schulgeld erlassen bekam, war, als gezielt Geld für ihn gesammelt wurde. Es ist nicht einfach. Deshalb schicken manche Familien ihre Kinder einfach nicht, da sie es sich nicht leisten können. Sie warten darauf, dass unser Schulgeld sinkt, so dass sie kommen können.

Kelly: Ich denke, wenn wir könnten, würden wir so viel wie möglich geben, aber wir sind so arm und wir haben so ein kleines Gebäude und wachsen gerade. Wenn es uns besser ginge, denke ich, würden wir es den Leuten mit Sicherheit wesentlich leichter machen zu kommen und das Schulgeld erheblich senken, aber zur Zeit geht das nicht.

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