Sudbury Schulen – Kapitel 25: Diskussion über Schulgeld

lizensiert unter Creative Commons BY-NC-ND 2.0
Die DVD „Sudbury-Schulen – Interviews mit Schülern, Mitarbeitern, Eltern und Absolventen“ von Henning Graner und Martin Wilke ist im tologo verlag erhältlich.

Henning Graner: Was hältst du davon, dass Eltern für die Schulbildung ihrer Kinder bezahlen müssen?

Mikel Matisoo: Ich denke, dass wir immer dafür bezahlen, als Gesellschaft. Ich meine, selbst wenn die Schulen keine Gebühren für die Anwesenheit der Kinder erheben, kostet der Schulbetrieb ohne Zweifel Geld. Und dieses Geld bekommen sie von den Leuten, die in einer bestimmten Gegend leben.

Evelyn Hardesty: Ich denke, diese Schulen sollten finanziert werden, wenn auch andere Schulen finanziert werden. Denn wenn es mehr von ihnen gäbe, könnten die Leute sehen, wie wirtschaftlich sie arbeiten, was an ihrer Art, Entscheidungen über Ressourcen und alles andere zu treffen, liegt. Sie sind soviel kosteneffizienter als unsere staatlichen Schulen, dass man sie finanzieren könnte, und zwar mit wesentlich weniger Geld.

Evelyn: Eine Menge Geld wird für Ressourcen ausgegeben, die Kinder durch Überlistung zum Lernen bringen. Das ist ihr Ziel, wie ein Löffel Zucker, der hilft, Medizin runterzuschlucken – Computer-Programme, alle möglichen Ressourcen. Und eine Menge wird für ausgebildete Lehrer ausgeben, die auch deshalb soviel kosten, weil sie diese ganzen Prüfungen mitmachen müssen und spezialisiert sein müssen. Es ist jedenfalls sehr teuer, Leute zu unterrichten, die etwas nicht lernen wollen. Es ist wirklich sehr teuer. Ich weiß nicht, wer dieses Video sehen wird, aber wenn man sich überlegt, wenn man selbst etwas lernen möchte und einfach in die Bibliothek geht und sich ein Buch ausleiht, was kostet das?

Henning: Würdet Ihr staatliche Unterstützung annehmen?

Michael Sappir: Nun, in Israel läuft das so: Es gibt unterschiedliche Formen der Anerkennung durch den Staat. Wir wollen im Grunde das gleiche bekommen, was einige orthodoxe Schulen bekommen. Sie werden finanziert, aber ansonsten kümmert sich der Staat nicht weiter darum, was in der Schule geschieht. Die Schule braucht keinen Lehrplan oder ähnliches. Dieser Standard wurde eigentlich wegen der orthodoxen Bildungseinrichtungen in Israel erfunden. Und wir wollen das bekommen, weil es verfügbar ist. Wenn uns der Staat aus irgend einem Grund volle Anerkennung und gute Finanzierung geben möchte – was er nicht wird – würden wir natürlich nicht Nein sagen.

Aaron Winborn: Wenn es nach mir ginge, würde die Gesellschaft ganz anders gestaltet. Ich glaube nicht, dass … Das ist eine schwierige Frage. Ich finde, der Staat sollte sich da raushalten. Er sollte überhaupt nicht für die Finanzierung von Bildung zuständig sein. Ich denke, wenn wir nicht so viel Steuern bezahlen müssten und selbst über die Bildung unserer Kinder entscheiden könnten, dann könnten sich viele Leute private Bildungsangebote leisten, die sich das derzeit leisten nicht können.

Mikel: Ich denke, was ich daran mag, dass die Schule allein durch Schulgeld finanziert wird, ist, dass außer den Familien, den Kindern und den Mitarbeitern uns niemand vorschreiben kann, wie die Schule geleitet wird, was mir sehr wichtig ist. Grundsätzlich denke ich, wenn eine Schule von staatlicher Finanzierung abhängig ist, bekommt der Staat dadurch zu großen Einfluss darauf, wie die Schule arbeitet.

Aaron: Was ich weiß, ist, dass wenn der Staat ins Spiel kommt, er zahlreiche Bedingungen an unsere Arbeit knüpft, zumindest bei der Art von Regierungen, die wir zur Zeit so auf der Welt haben. Mir wäre es lieber, wenn sie nicht beteiligt wären, es sei denn, wir könnten unsere Regierungen wirklich völlig reformieren. Ich weiß nicht. Ich bin jetzt erstmal nur mit den Schulen beschäftigt.

Mikel: Mir ist bewusst, dass einige Leute ihre Kinder nicht zur Sudbury Valley School schicken können, weil sie Schulgeld erhebt. Aber zugleich ist der Umstand, dass wir uns selbst finanzieren, entscheidend dafür, dass wir die Schule so organisieren können wie wir es wollen.

Aaron: Ich denke aber auch nicht, dass jemandem eine Bildung verweigert werden sollte, nur weil er aus einer Familie kommt, die es sich nicht leisten kann. Das ist eine sehr schwierige Frage. Wie beantwortet man das? Ich habe dafür jedenfalls keine großartige Antwort.

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