Sudbury Schulen – Kapitel 26: Bezahlung der Mitarbeiter

lizensiert unter Creative Commons BY-NC-ND 2.0
Die DVD „Sudbury-Schulen – Interviews mit Schülern, Mitarbeitern, Eltern und Absolventen“ von Henning Graner und Martin Wilke ist im tologo verlag erhältlich.

Henning Graner: Fühlst du dich gut bezahlt?

Mikel Matisoo: Ja, ich denke schon, dass ich angemessen bezahlt werde. Ich habe sicher nicht das Gefühl, dass ich mehr verdienen sollte. Aber es ist ein sehr langer Prozess gewesen, bis die Schule an den Punkt kam, an dem die Mitarbeiter nicht mehr das Gefühl hatten, dass sie für umsonst arbeiten.

Shetal Dandage: Ich verdiene nichts, weil ich für zwei Jahre ehrenamtlich in diesen Schulen arbeite. Ich habe mich entschlossen, drei Jahre lang ehrenamtlich zu arbeiten, zu experimentieren und alles in Frage zu stellen und dann ab dem übernächsten Jahr zu arbeiten.

Anthony Burik: Nun, praktisch gesehen, bekomme ich nicht viel Geld für meine Arbeit. Aber ich denke, das ist ein Problem bei vielen demokratischen Schulen. Sie begeben sich außerhalb der traditionellen Sphäre und sind dann gewissermaßen auf sich selbst gestellt. Sie sind außen vor, am Rande. Und zumindest in den USA gibt es nicht viel Unterstützung für Leute, die etwas außerhalb der traditionellen Bildung machen wollen. Deshalb hat unsere Schule, wie andere auch, Mühe damit, die Mitarbeiter angemessen zu bezahlen.

Mikel: Zur Zeit beträgt mein Gehalt 43.000 US-Dollar im Jahr, und ich bin jetzt seit 15 Jahren an der Schule. Ich glaube, dass das ziemlich nah an dem dran ist, was ein Lehrer an einer öffentlichen Schule in unserer Gegend bei ähnlicher Berufslaufbahn verdient.

Aaron Winborn: In der Gegend, in der ich lebe, verdiene ich etwa die Hälfte dessen, was einen Lehrer im staatlichen Schulsystem verdient. Ich weiß das, weil eine der anderen Mitarbeiterinnen an unserer Schule 17 Jahre lang Lehrerin in einer Staatsschule war und dann gekündigt hat, um an Greenwood zu arbeiten und jetzt halb so viel für früher verdient. Und da ich genauso viel wie sie verdiene, weiß ich, dass ich die Hälfte verdiene.

Zugleich arbeitet meine Partnerin auch, so dass wir nicht in finanzieller Not sind. Ich mache auch Computer-Arbeiten, Webdesign, und kann so genug hinzuverdienen, so dass wir auch jetzt, da wir ein Baby haben, genug verdienen. Das ist also kein Problem.

Mikel: Am Anfang haben die Mitarbeiter wirklich ganz ohne Bezahlung gearbeitet. Als Kompensierung für ihre Arbeit sahen sie die dabei gemachte Erfahrung. Ich zumindest empfinde die Erfahrung, die ich gemacht habe, als etwas wirklich Wertvolles. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl, nicht fair bezahlt zu werden.

Aaron: Ich denke, dass wir an Greenwood noch Glück haben. Ich meine, wir werden nicht so gut wie andere Lehrer in der Gegend bezahlt, aber doch besser als an einigen der anderen mir bekannten Sudbury-Schulen, die ich untersucht habe. Für mich das eigentlich kein Problem, weil ich mich so sehr für die Schule engagiere, dass ich meine Zeit auch spenden würden, wenn das nötig wäre, um so eine Schule am Laufen zu halten.

Mikel: Es hat lange gedauert, bis die Leute nicht mehr das Gefühl hatten, dass das dazugehört.

Shetal: Die meisten wachsenden Sudbury-Schulen würden aber schon den Mindestlohn zahlen, das sind etwa 5 bis 6 Dollar pro Stunde. Aber davon kann man nicht leben. Das reicht nicht für Miete, Steuern, Versicherungen usw. Das ist nicht genug, aber, OK, überleben kann man davon schon.

Shetal: Und das ist wieder etwas, bei dem die Kinder es wirklich ihr Eigen nennen. Die Kinder, die ganze Schule, die Assembly, die Mitarbeiter spüren: Der Ort gehört allen. Und jeder merkt, dass diejenigen, die für die Schule arbeiten, auch einen Mindestlohn brauchen. Alle arbeiten zusammen, die Mitarbeiter sagen nicht: „Ich will 30.000 Dollar“ oder „Ich will 20.000 – woanders könnte ich 40.000 verdienen.“ Nein, die Kinder sollten sagen: „Diese Menschen formen unser Leben, stehen zur Verfügung, uns zu helfen herausfinden, was das Leben ist. Wie sollen sie denn ohne Geld überleben?“ Wenn sogar sie das merken, werden sie etwas dafür tun. Wenn die Eltern es merken: „Wow, das ist sogar meinem Kind wichtig. Wer macht denn die Arbeit? Die Mitarbeiter. Sie brauchen wirklich Geld.“ Dann heben sie das Schulgeld von selbst an, ohne dass man es ihnen sagen muss.

Anthony: Wenn ich viel Geld verdienen würde, das wäre großartig. Das wäre mehr als großartig, weil ich eine Arbeit habe, die ich liebe, und wenn dann noch das ganze Geld dazukäme … Leider funktioniert das in den USA nicht so. Aber unsere Schule arbeitet daran, und viele demokratische Schulen arbeiten daran. Ich meine, das ist ein so wichtiger Teil dessen, worum bei all dem geht.

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