Sudbury-Schulen – Kapitel 21: Qualifikation und Persönlichkeit der Mitarbeiter

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Die DVD „Sudbury-Schulen – Interviews mit Schülern, Mitarbeitern, Eltern und Absolventen“ von Henning Graner und Martin Wilke ist im tologo verlag erhältlich.

Mikel Matisoo: Ich habe vor vielen Jahren im staatlichen Schulsystem in New York gearbeitet. Ich hatte eine befristete Lehrberechtigung, und um diese Berechtigung zu verlängern, musste ich jeden Sommer ein Lehrerseminar belegen. So habe ich in diesen Sommern zwei Kurse besucht, aber das ist alles, was ich an Lehrerausbildung habe.

Anthony Burik: Mein Hintergrund ist: Ich habe das College abgeschlossen und dann etwa drei Jahre lang gearbeitet. Und dann habe ich auf der Graduate School meinen Master in Erziehungswissenschaften gemacht. Das war vor sieben oder acht Jahren. Inzwischen habe ich viel unterrichtet, vor allem Englisch. Dafür war ich zwar nicht wirklich ausgebildet, aber das ist eben das, wo ich gelandet bin. Weiterlesen

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Sudbury Schulen – Kapitel 20: Wie Mitarbeiter gewählt werden

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David Schneider-Joseph: Die Mitarbeiter an einer Sudbury-Schule werden durch die bisherigen Mitarbeiter und die Schüler demokratisch gewählt. Grundsätzlich werden sie danach gewählt, für wie nützlich die Schulgemeinschaft sie hält. Diese Nützlichkeit kann in ganz unterschiedlichen Dingen bestehen. Der eine ist einfach jemand, mit dem es Spaß macht, sich zu unterhalten, zusammenzusein. Jemand anderes verfügt über nützliche Kenntnisse, spezielles Wissen, an dem andere gern teilhaben möchten, weil er zum Beispiel viel über Naturwissenschaften weiß. Diese Nützlichkeit kann auch darin bestehen, bestimmte Verwaltungsaufgaben in der Schule zu übernehmen, z.B. die Aufnahme neuer Schüler.

Aaron Winborn: Ich denke, das Wichtigste ist die Hingabe gegenüber der Idee, dass junge Leute die Freiheit bekommen sollten, ihre Träume zu verwirklichen. Wenn ein Erwachsener diese Hingabe hat, klappt der Rest auch, glaube ich.

Anthony Burik: Ich denke, Mitarbeiter sind erfolgreich, wenn sie ein sicheres Verständnis der Sudbury-Philosophie haben und mit Eifer und Leidenschaft dafür einstehen, und dann diese Philosophie nehmen und sie in ihrer Arbeit umsetzen.

Anthony: Jemand, der sich dieser Sache mit einer gewissen Hingabe annimmt, denke ich, ist gut geeignet für die Schule. Alles weitere hängt einfach davon ab, was die Schüler wollen und was Schule will. Weiterlesen

Sudbury Schulen – Kapitel 19: Eltern

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Martin Wilke: Wissen deine Eltern, was du in der Schule machst?

Ben Sheppard: Meine Eltern wissen, was ich in der Schule mache, weil sie Mitarbeiter an der Schule sind. Also wissen sie natürlich, was ich mache.

Cassie Bradford: Das gleiche gilt für mich, weil meine Eltern beide Mitarbeiter an der Schule sind. Sie wissen also über alles Bescheid, was ich mache.

Evelyn Hardesty: Eigentlich haben sie keine Scheu, mir von ihren Aktivitäten zu berichten. Ich habe also eine ziemlich gute Vorstellung von ihren Schulaktivitäten. In der Tat, manchmal versucht mich meine 6-jährige Tochter zu provozieren, indem sie mir erzählt: „Ich habe heute ein Video geschaut, das erst ab 15 freigegeben ist.“ Geschadet hat es ihr aber nicht.

David Schneider-Joseph: Sie wissen genau so viel, wie ich ihnen erzähle. In der Anfangszeit an der Sudbury-Valley-Schule mochte ich nicht viel erzählen, weil ich einfach nur dort hingehen wollte und mich nicht so fühlen wollte, als verfolgten mich die wachsamen Augen meiner Eltern. Langsam begann ich, mich wohler zu fühlen und mir keine Sorgen darum zu machen, was sie denken. Jetzt, da ich älter und nicht mehr so abhängig von ihnen bin, wissen meine Eltern ziemlich genau, was ich mache. Weiterlesen

Sudbury Schulen – Kapitel 18: Videospiele

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Mikel Matisoo: Wir haben einige Kinder, die viel Zeit, vielleicht 3 Jahre mit dem Spielen von Videospielen verbringen. Am Anfang – denn wir hatten ja nicht immer Videospiele, da es früher einfach noch keine gab – hatten sie eine Zeit lang den Reiz des Neuen. Und sie führten zu zahlreichen Diskussionen in der Schulversammlung darüber, wie man mit ihnen umgehen könnte, ohne dass sie einen negativen Einfluss auf andere Leute ausüben. Diejenigen, die Videospiele benutzen wollten, mussten also die anderen davon überzeugen, dass das möglich ist, ohne die anderen zu stören.

Wir haben eine Videospiele-AG; sie hat einen Raum und hat Regeln dafür aufgestellt, unter welchen Bedingungen jemand ein Videospiele-System mitbringen, wo man es aufstellen kann und wie jeder mal dran kommt. Hin und wieder wird der Raum dicht gemacht, meist weil sie den Raum nicht sauber halten – denn die Corporation hat den Raum sauber zu halten, andernfalls kann die Schulversammlung ihn dichtmachen. Dann muss die Corporation zusammenkommen, das Problem besprechen und eine Lösung finden. Eine kurze Zeit lang gab es das Problem, dass von dort oben Dinge geklaut wurden; sie haben viel darüber geredet und ein System entwickelt, die Seriennummern zu notieren, alles zu beschriften und so weiter, so dass nicht mehr so einfach geklaut werden kann.

Ihr habt keine Zeitbeschränkung, keine Beschränkung von Gewalt oder irgendetwas anderem?

Nichts dergleichen.

Ihr habt da keine Grenzen?

Nein. Gut, es gibt Grenzen: Erstens ist es auf diesen einen Raum beschränkt, zweitens musst du dich vernünftig verhalten. Wenn du sagst: „Ich habe diesen Stuhl kaputt gemacht oder den Typen da geschlagen, weil ich ein gewalttätiges Videospiel gespielte habe“ – das geht nicht, du bist verantwortlich. Wenn du keine gewalttätigen Videospiele spielen kannst, ohne durchzudrehen, dann ist das keine Entschuldigung. Weiterlesen

Sudbury-Schulen – Kapitel 17: Schwierigkeiten nach dem Wechsel auf eine Sudbury-Schule

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Martin Wilke: Fiel es dir schwer, dich auf diese Art von Schule einzustellen, nachdem du so lange auf einer sehr traditionellen Schule warst?

Regina Leeb: Es war tatsächlich schwierig. Am Anfang habe ich mich gelangweilt.

David Schneider-Joseph: Es dauert sicherlich einige Zeit, bis man die Fähigkeit, seine eigene Bildung selbst zu steuern, wiederentdeckt.

Regina: Dann habe ich angefangen, mit anderen zu reden und mich mit Dingen zu beschäftigen, zuerst mit Computer und mit Gitarre und so. Es dauerte drei oder vier Monate, bis ich mich einigermaßen eingefunden hatte. Ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass es so schwer werden würde.

Romey Pittman: Ich denke, es war am schwersten für die Jugendlichen, die von traditionellen Schulen kamen. Die kleinen Kinder wussten noch, wie man spielt. Sie fühlten sich wohl beim Spielen. Sie scheinen den Übergang sehr leicht zu schaffen, wenn sie klein sind. Weiterlesen

Sudbury Schulen – Kapitel 16: Sind Sudbury-Schulen für jeden geeignet?

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Michael Sappir: Wenn Leute Schüler aus unserer Schule treffen, sagen sie manchmal: „Das sind aber besondere Schüler! Das können nicht einfach irgendwelche Schüler aus Eurer Schule sein.“ Und wir sagen ihnen: „Nein, das sind ganz normale Schüler aus unserer Schule. In ihren früheren Schulen waren sie nicht besonders großartig bzw. sie wurde als nicht besonderes großartig angesehen.“ Viele unserer Schüler, sogar die nettesten unter ihnen, sind von ihrer alten Schule geflogen, weil sie gewalttätig waren. Unsere Schule ist eine sehr freie Umgebung, in der die Schüler die Möglichkeit haben, sich auszudrücken, ihre Intelligenz auszudrücken und ihre Potenziale zu nutzen.

Henning Graner: Auf welcher Schule warst Du, bevor Du auf das Booroobin Sudbury Learning Center gekommen bist?

Regina Leeb: Ich war auf einer normalen staatlichen Schule in Deutschland, einem Gymnasium, und habe dort mein Abitur gemacht, bevor ich nach Booroobin gekommen bin. Aber ich denke, ich habe an Booroobin mehr gelernt als in meiner alten Schule. Weiterlesen

Sudbury Schulen – Kapitel 15: Der schlafende Schüler

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Aaron Winborn: Als ich hier letztes Jahr angefangen habe, traf ich mich mit einigen Leuten, die schon länger an der Schule sind, bereits im Sommer davor. Wir haben nämlich den Sommer über geschlossen und sind nur neun Monate im Jahr in der Schule. Wir trafen uns also im Sommer und sprachen über einige Schüler, die diese Schule besuchten.

Einer der Schüler hier … er war von einer staatlichen Schule gekommen das ist nicht typisch für unsere Schüler, er war ein sehr ungewöhnlicher Fall. Er war von einer staatlichen Schule gekommen, er ist etwa vierzehn Jahre alt, und er war in jener Schule sehr gewalttätig. Man hatte ihm dort zwei Wachschützer zugewiesen, die ihn von einem Klassenraum zum nächsten begleiteten, da er immer Kämpfe auslöste. Sie versuchten es mit Streitschlichtung, aber nahmen ihn letztendlich von dieser Schule und meldeten ihn hier an.

Zuerst fragten sich die Leute hier also: „Was sollen wir von ihm halten?“ Aber er kam einfach nur zur Schule und ging schlafen. Er ging zur Couch und legte sich einfach schlafen. Er kam jeden Tag und alles, was er tat, war schlafen zu gehen. Und pünktlich zur Heimfahrt wachte er auf und ging nach Hause. Weiterlesen