Sudbury Schulen – Kapitel 26: Bezahlung der Mitarbeiter

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Die DVD „Sudbury-Schulen – Interviews mit Schülern, Mitarbeitern, Eltern und Absolventen“ von Henning Graner und Martin Wilke ist im tologo verlag erhältlich.

Henning Graner: Fühlst du dich gut bezahlt?

Mikel Matisoo: Ja, ich denke schon, dass ich angemessen bezahlt werde. Ich habe sicher nicht das Gefühl, dass ich mehr verdienen sollte. Aber es ist ein sehr langer Prozess gewesen, bis die Schule an den Punkt kam, an dem die Mitarbeiter nicht mehr das Gefühl hatten, dass sie für umsonst arbeiten.

Shetal Dandage: Ich verdiene nichts, weil ich für zwei Jahre ehrenamtlich in diesen Schulen arbeite. Ich habe mich entschlossen, drei Jahre lang ehrenamtlich zu arbeiten, zu experimentieren und alles in Frage zu stellen und dann ab dem übernächsten Jahr zu arbeiten.

Anthony Burik: Nun, praktisch gesehen, bekomme ich nicht viel Geld für meine Arbeit. Aber ich denke, das ist ein Problem bei vielen demokratischen Schulen. Sie begeben sich außerhalb der traditionellen Sphäre und sind dann gewissermaßen auf sich selbst gestellt. Sie sind außen vor, am Rande. Und zumindest in den USA gibt es nicht viel Unterstützung für Leute, die etwas außerhalb der traditionellen Bildung machen wollen. Deshalb hat unsere Schule, wie andere auch, Mühe damit, die Mitarbeiter angemessen zu bezahlen. Weiterlesen

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Sudbury-Schulen – Kapitel 21: Qualifikation und Persönlichkeit der Mitarbeiter

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Mikel Matisoo: Ich habe vor vielen Jahren im staatlichen Schulsystem in New York gearbeitet. Ich hatte eine befristete Lehrberechtigung, und um diese Berechtigung zu verlängern, musste ich jeden Sommer ein Lehrerseminar belegen. So habe ich in diesen Sommern zwei Kurse besucht, aber das ist alles, was ich an Lehrerausbildung habe.

Anthony Burik: Mein Hintergrund ist: Ich habe das College abgeschlossen und dann etwa drei Jahre lang gearbeitet. Und dann habe ich auf der Graduate School meinen Master in Erziehungswissenschaften gemacht. Das war vor sieben oder acht Jahren. Inzwischen habe ich viel unterrichtet, vor allem Englisch. Dafür war ich zwar nicht wirklich ausgebildet, aber das ist eben das, wo ich gelandet bin. Weiterlesen

Sudbury Schulen – Kapitel 20: Wie Mitarbeiter gewählt werden

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David Schneider-Joseph: Die Mitarbeiter an einer Sudbury-Schule werden durch die bisherigen Mitarbeiter und die Schüler demokratisch gewählt. Grundsätzlich werden sie danach gewählt, für wie nützlich die Schulgemeinschaft sie hält. Diese Nützlichkeit kann in ganz unterschiedlichen Dingen bestehen. Der eine ist einfach jemand, mit dem es Spaß macht, sich zu unterhalten, zusammenzusein. Jemand anderes verfügt über nützliche Kenntnisse, spezielles Wissen, an dem andere gern teilhaben möchten, weil er zum Beispiel viel über Naturwissenschaften weiß. Diese Nützlichkeit kann auch darin bestehen, bestimmte Verwaltungsaufgaben in der Schule zu übernehmen, z.B. die Aufnahme neuer Schüler.

Aaron Winborn: Ich denke, das Wichtigste ist die Hingabe gegenüber der Idee, dass junge Leute die Freiheit bekommen sollten, ihre Träume zu verwirklichen. Wenn ein Erwachsener diese Hingabe hat, klappt der Rest auch, glaube ich.

Anthony Burik: Ich denke, Mitarbeiter sind erfolgreich, wenn sie ein sicheres Verständnis der Sudbury-Philosophie haben und mit Eifer und Leidenschaft dafür einstehen, und dann diese Philosophie nehmen und sie in ihrer Arbeit umsetzen.

Anthony: Jemand, der sich dieser Sache mit einer gewissen Hingabe annimmt, denke ich, ist gut geeignet für die Schule. Alles weitere hängt einfach davon ab, was die Schüler wollen und was Schule will. Weiterlesen

Sudbury-Schulen – Kapitel 9: Die Rolle der Mitarbeiter

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Martin Wilke: Worin besteht deiner Meinung nach überhaupt die Rolle eines Mitarbeiters an Deiner Schule? Wenn die Kinder selbständig lernen und sich ihre Beschäftigungen selbst suchen, was machst Du dann?

Gayle Friedman: Ich denke, du tust, was immer gerade zu tun ist. Manchmal musst du in einer Notsituationen eingreifen, manchmal sind die Toiletten zu reinigen. Naja, das gehört eigentlich nicht an den Anfang dieser Liste. Zu meiner Arbeit gehört auch, die Schule zu verwalten, die Schule zu leiten, sicherzustellen, dass es uns auch morgen und nächstes Jahr noch gibt, und das kann so ziemlich alles beinhalten von Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Instandhaltungsaufgaben und dem ganzen Bürokram. Eine der Sachen, die ich an der Schule am meisten mag, ist dass man nie weiß, was der Tag bringt. Er kann so aufregend sein, aber auch so verheerend. Es kann einfach alles passieren. Gerade das macht es für mich zu einer unglaublich spannenden Erfahrung.

Mikel Matisoo: Bei Abstimmungen über die Schule hat jede Stimme das gleiche Gewicht, aber die Mitarbeiter haben wesentlich mehr Verpflichtungen als die Schüler, einfach weil wir von der Schulversammlung bezahlt werden. Ich habe jedenfalls die Überzeugung, dass wir die Verpflichtung haben, uns um alles zu kümmern, das geschehen muss, damit die Schule so gut wie möglich funktioniert und dass alles erledigt wird, was erledigt werden muss.

Anthony Burik: Solange ein Mitarbeiter leidenschaftlich von der Philosophie der Schule überzeugt ist und bereit ist, die Arbeit tun, die getan werden muss, um das alltägliche Funktionieren der Schule zu sichern. Denn bei uns gibt es keinen Schulleiter, keine Sekretärinnen, keinen Buchhalter, keine Schulkrankenschwester und keinen Hausmeister. Es sind die Mitarbeiter, die alle Arbeit erledigen. Wenn Du an dieser Art von Arbeit interessiert bist, kann es sehr erfüllend sein. Für mich ist es das jedenfalls. Ich habe viele verschiedene Dinge gelernt. Ich meine nicht nur über Erziehung und Bildung, sondern auch über Verwaltung, wie man eine Schule führt, wie man ein Unternehmen führt, denn es ist ja auch ein Unternehmen. Weiterlesen

Kinder bilden sich selbst Teil IV: Was wir von Sudbury Valley lernen können

40 Jahre lang haben Kinder sich an dieser Schule selbst gebildet.

von Peter Gray

veröffentlicht am 13. August 2008 im Blog Freedom to Learn

https://www.psychologytoday.com/blog/freedom-learn/200808/children-educate-themselves-iv-lessons-sudbury-valley

Die Sudbury Valley School war die letzten 40 Jahre lang das bestgehütete Geheimnis in der Amerikanischen Bildungslandschaft. Die meisten Pädagogik-Studenten haben nie von ihr gehört. Pädagogik-Professoren ignorieren sie – nicht aus böser Absicht, sondern weil sie nicht in den Rahmen ihres pädagogischen Denkens hineinpasst. Das Bildungskonzept von Sudbury Valley ist keine Variante der Standard-Bildung. Es ist keine fortschrittliche Version traditioneller Schulbildung. Es ist keine Montessori-Schule, keine Dewey-Schule und keine konstruktivistische Schule nach Piaget. Es ist etwas völlig anderes. Wenn man die Schule verstehen möchte, muss man von einer ganz anderen Denkweise ausgehen, als von der, die das gegenwärtige pädagogische Denken beherrscht. Man muss von folgendem Gedanken ausgehen: Erwachsene haben keine Kontrolle über die Bildung der Kinder – Kinder bilden sich selbst.

Aber dieses Geheimnis dringt nach draußen, hauptsächlich verbreitet durch Schüler und andere, die die Sudbury Valley School unmittelbar erlebt haben. Heute folgen mindestens zwei Dutzend Schulen in der ganzen Welt dem Modell von Sudbury Valley. Ich sage voraus, dass in 50 Jahren, wenn nicht früher, das Sudbury-Valley-Modell in jedem Standard-Lehrbuch der Pädagogik vertreten sein wird und es an vielen Orten im öffentlichen Schulsystem anwendet werden wird. In 50 Jahren, so meine Vorhersage, werden viele, wenn nicht die meisten, Pädagogen den heutigen Bildungsansatz als barbarisches Überbleibsel der Vergangenheit betrachten. Die Leute werden sich fragen, warum die Welt so lange gebraucht hat, eine so einfache und offensichtliche Idee zu verstehen, wie die, auf der die Sudbury Valley School gegründet ist: Kinder bilden sich selbst; wir müssen es nicht für sie tun. Weiterlesen